Streikbrecher im Einsatz

Geschäftsführung des Carl-Thiem-Klinikums nutzt FSJler und Pflegeschüler, um Arbeitskampf zu unterlaufen

Am Carl-Thiem-Klinikum (CTK) in Cottbus rumort es. Ende letzten Jahres hatten die Beschäftigten der Thiem-Service-GmbH (TSG), einer Tochtergesellschaft des kommunalen Krankenhauses, fünf Tage gestreikt. Die Unternehmensleitung hatte sich eine Zeit lang geweigert, mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zu verhandeln, bis sie schließlich doch dazu bereit war. Für den vergangenen Mittwoch war die nächste Tarifrunde angesetzt. Ob die Beschäftigten erneut in den Ausstand treten müssen, war bis zum Redaktionsschluss dieser Zeitung noch nicht klar. Gewerkschaftssekretär Ralf Franke zeigte sich im Gespräch mit „Unsere Zeit“ entschlossen und bereit, den Arbeitskampf weiter zu führen.

ver.di will einen neuen Tarifvertrag erkämpfen, mit dem die TSG-Beschäftigten den Angestellten der Klinik gleichgestellt werden. Der Lohnunterschied beträgt bis zu 25 Prozent, beim Weihnachtsgeld sieht es ähnlich aus: Erhalten die CTK-Mitarbeiter eine „Jahressonderzahlung“ von 80 Prozent eines Monatslohns, bekommen die TSG-Angestellten nur 65 Prozent. Auch bei den Urlaubstagen sind sie schlechter dran.

„Die Beschäftigten der Thiem-Service GmbH wollen nicht länger die Arbeitnehmer zweiter Klasse im Klinikum sein“, so Franke. Sie arbeiten unter anderem in der Patientenpflege. Sie reichen den Patienten das Essen, besorgen ihnen auf Wunsch Zeitungen oder anderen Lesestoff und führen auch mit ihnen auch Gespräche, wenn einer sich austauschen will. Die Sterilgutaufbereitung, die Poststelle, das Krankenhausarchiv und der Sicherheitsdienst zählen ebenfalls zur CTK-Tochtergesellschaft.

Verdi hatte den erstmalig 2016 mit der TSG ausgehandelten Tarifvertrag Ende September gekündigt und die Geschäftsführung zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Die Arbeitgeberseite hatte erst am zweiten Verhandlungstag, Mitte November, erstmals ein Tarifangebot zur Sondierung unterbreitet. Nach diesem Angebot sollten die Löhne ab Januar 2019 nur um zwei Prozent und ein Jahr später um nur weitere 1,5 Prozent steigen. Für die letzten drei Monate in diesem Jahr wollte das Unternehmen eine Einmalzahlung in Höhe von insgesamt 100 Euro leisten.

Das wären lediglich 18 bis 20 Cent mehr pro Stunde. Der Stundenlohn einer Serviceassistentin würde sich dann auf 9,82 Euro und ab einer vierjährigen Beschäftigung auf 10,13 Euro erhöhen. ver.di lehnte das Sondierungsangebot als völlig unzureichend ab, denn viele TSG-Mitarbeiter sind nur mit 30 Stunden in der Woche beschäftigt, und ihr Monatsentgelt würde sich nicht einmal um 26 Euro brutto erhöhen.

Den letzten Verhandlungstermin, der für den 20. Dezember vereinbart war, hatte die CTK-Geschäftsführung einseitig abgesagt. Nach Gewerkschaftsangaben war sie zunächst auch nicht bereit, einen neuen Termin zu vereinbaren. Nur wenn sich die ver.di-Position ändere, könnte sich die Geschäftsleitung vorstellen, sich erneut an den Verhandlungstisch zu begeben, ließ sie damals verlauten.

Dass sie letztlich doch einlenkte, dürfte auch mit der öffentlichen Kritik zusammenhängen. Die CTK-Führung hatte versucht, die TSG-Beschäftigten einzuschüchtern. In einem Brief hatte sich Geschäftsführer Götz Brodermann an sie gewandt und den Streik als „unverhältnismäßig und damit rechtswidrig“ bezeichnet. Bei Teilnahme an einem rechtswidrigen Streiks drohten arbeitsrechtliche Konsequenzen, so Brodermann. Außerdem bot die CTK-Geschäftleitung allen, die sich nicht am Steik beteiligen, eine Prämie von 30 Euro an.

Nach Angaben des ver.di-Verhandlungsführers Franke wurden Beschäftigte im „Freiwilligen Sozialen Jahr“ sowie Pflegeschüler von der Medizinischen Schule des Carl-Thiem-Klinikums als Streikbrecher eingesetzt. Beides sei illegal.

Der Artikel erscheint in der UZ vom 25. Januar 2019